Wenn ein Hund einzieht, ist das immer mit Aufregung verbunden. Alles wird vorbereitet, man informiert sich, kauft jede Menge ein und wartet sehnsüchtig auf den Tag der Abholung. Man will alles richtig machen und das neue Familienmitglied soll sich wohl fühlen. Und obwohl es natürlich wichtig ist, die Zeit nach dem Einzug gut zu gestalten, passieren die meisten Fehler schon sehr viel früher.

Selbsterkenntnis ist der beste Weg zum Hundeglück!

Denn die meisten Menschen konzentrieren ihre Überlegungen im Vorfeld rein auf den Hund. "Wie soll er sein, welche Rasse, wie alt, männlich oder weiblich, Welpe ja oder nein, vom Züchter oder aus dem Tierschutz?"

Im Zuge dieser Überlegungen stellt sich kaum jemand die Frage: "Wer bin ich eigentlich?Statt dessen wird sehr viel öfter (mehr oder weniger unbewusst) die Frage gestellt: "Wer möchte ich sein?

Ausgehend davon kann die Auswahl des passenden Hundes nur schief gehen. Denn wenn ich wäre, wer ich sein möchte, lebe ich mitten auf einer Farm im Nirgendwo, umringt von zahlreichen Hunden, von denen jeder mindestens 40 kg auf die Waage bringt. Oder ich lebe in einem alten Schloss im schottischen Hochland, umgeben von irischen Wolfshunden und Mischlingen aus dem Tierschutz.

Jeder hat so seine Träume. Und manchmal verlieren wir uns in diesen Träumen und vergessen ganz darauf, dass ein Hund nicht dazu da ist, diese Träume zu erfüllen. Genauso wenig, wie ein Partner oder unsere Kinder. Auch ein Hund ist ein Wesen mit eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen, ein Lebewesen, dass das Recht hat, um seiner Selbst willen geliebt und angenommen zu werden - und nicht deshalb, weil er so "hübsch" oder "intelligent" ist. 

Wenn ich daher überlege, wer ich wirklich bin, komme ich vielleicht zu dem Schluss, dass ein ganz anderer Hund, eine ganz andere Rasse - oder vielleicht auch ein Mischling aus dem Tierschutz - für mich persönlich der weit bessere Freund sein wird, als das vermeintliche Prachtexemplar, auf das mein Blick zunächst gefallen ist. 

Ausgehend von diesen sehr ehrlichen Überlegungen wird sich die Wahl des richtigen Hundes stark einschränken

Denn natürlich ist es wichtig, ob jemand am Land oder in der Stadt lebt. Es ist wichtig, wie viel Zeit man zur Verfügung hat und wie viel Zeit man auch bereit sind, in das Zusammenleben mit dem Hund zu investieren. Es ist wichtig, ob Kinder im Haushalt leben, wie die Freizeitgestaltung aussieht und ob der Partner ebenso begeistert vom neuen Familienmitglied ist. Es ist wichtig, wie viel Budget für die artgerechte Verpflegung des Tieres zur Verfügung steht und ob Reserven da sind, wenn das Tier einmal krank ist. Und es ist wichtig, wie es um die eigene Mobilität bestellt ist - einen kranken Hund wird man ab einer gewissen Größe nur schwer in der Straßenbahn zum Tierarzt fahren können. 

All diese Überlegungen werden - hoffentlich - angestellt. Sie beziehen sich aber primär auf äußere Rahmenbedingungen und vielleicht auch noch auf das Wesen und den Charakter des gewünschten Hundes. 

Was aber oft vergessen wird, ist die Frage: "Wo liegen meine eigenen Stärken und Schwächen?" 

Denn wer seinen Hund primär danach aussucht, weil er so "beeindruckend" oder "bewegungsfreudig" ist, wird am Ende vielleicht mit einem Hütehund konfrontiert sein, der seine Aufgabe fälschlicherweise darin sieht, die Kinder des Nachbarn zu bewachen. Schlicht und ergreifend deshalb, weil der Hund wesentlich mehr Führungspotential mitbringt, als man selbst. 

Oder man wird sich eine der Rassen aussuchen, die gerade "modern" sind - nicht wissend, dass die Intelligenz dieser Tiere auch mit dem gesunden Menschenverstand ihrer Besitzer in Einklang stehen sollte.

Denn der Hund tut - aus seiner Sicht - immer das, was gerade nötig ist. Er orientiert sich nicht daran, was in unserer menschlichen Welt "gefragt" bzw. "erlaubt" ist. Wir Menschen sind aufgerufen, ihn in unserer Lebensumfeld einzuführen - und das wird umso eher gelingen, wenn man bei der Auswahl des Hundes auch bedenkt, ob man vielleicht einem Trugbild hinterher läuft. Dann wird das Ankommen in der Realität hart sein. Bezahlen muss diese Rechnung der Hund, er hat keine Wahl und ist uns Menschen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. 

Fragen Sie sich daher bitte vor Anschaffung eines Hundes nicht nur, wonach er "aussieht" und was er "kann", sondern auch, ob Sie mit allem, was er mitbringt, auch entsprechend umgehen können. Mit anderen Worten: Ob die Bedürfnisse des Tieres mit Ihren eigenen kompatibel sind. 

So vermeiden Sie am ehesten, mit einem schicken Jagdhund an der Leine durch die Einkaufsmeile zu spazieren oder mit einem aufgeweckten Border Collie oder einem aktiven Husky neben Job, Haushalt und eigenen Bedürfnissen total überfordert zu sein. Sie vermeiden aber auch, ein älteres Tier aus dem Tierschutz in eine Familie mit kleinen Kindern zu holen, um dann einen Hund zu haben, der zwar "süß" ist, aber kaum zur Ruhe kommt und bei dem Sie sich am Ende wundern, warum er beinahe rund um die Uhr bellt. 

Wesen und Temperament: Oft genau so wichtig wie die "richtige Rasse"!

Denn egal, ob Rassehund oder nicht: Jeder Charakter hat eigene Anforderungen. Manche Hunde sind von Natur aus souverän und entscheiden im Rahmen ihrer Möglichkeiten gerne auch mal selbst. Andere Hunde brauchen etwas mehr Abstand und wollen hier auch entsprechend respektiert werden. Wieder andere benötigen recht viel Anleitung und danken diese Fürsorge dann mit abendlichen Kuschelstunden am Sofa. 

Nicht jeder Hund ist für jeden Menschen geeignet - und nicht jeder Mensch für jeden Hund.

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut - bitte vergessen Sie dieses alte Sprichwort nicht. Es wird Sie davor bewahren, einen Hund zu adoptieren oder gar zu "retten", der in einem anderen Umfeld möglicherweise sehr viel besser aufgehoben wäre. 

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