"Du kannst mir gestohlen bleiben", sagte der Mensch, als er vorm Himmelstor stand und in Gottes Antlitz schaute.

"Nie hast du mir geholfen. Immer musste ich alles alleine machen! Wie oft habe ich dich gebeten, mir zu helfen. Ja, geradezu angefleht habe ich dich, auch einmal an mich zu denken und mir zu zeigen, wo der Weg ist. Aber so oft ich auch gerufen und gebetet habe: Nichts!"

Nachdenklich schaute Gott den Menschen an. Doch der war mit seiner Anklage noch lange nicht fertig.

"Warum predigst du von bedingungsloser Liebe? Davon, dass wir niemals verlassen sind? Dass es immer jemanden gibt, der bei uns ist, wenn wir nur fest genug daran glauben? Mein ganzes Leben war ich alleine! Menschen sind gekommen und gegangen, niemand hat mich so geliebt, wie ich bin."

Enttäuscht wandte der Mensch sich ab.

"Wie sehr habe ich mir jemanden gewünscht, der mich nimmt, wie ich bin, trotz meiner Fehler und Schwächen. Jemanden, der bei mir bleibt und mein Vertrauen niemals missbraucht. Jemanden, dem es egal ist, ob ich jung oder alt bin, gesund oder krank. Wie sehr habe ich auf ein Zeichen von dir gewartet!"

Nun musste Gott doch lächeln.

"Ja, du hast auf ein Zeichen von mir gewartet. Ich weiß das."

"Und warum hast du nicht darauf reagiert?Immer noch zornig schaute der Mensch zu Gott auf.

"Ich habe dir einen Hund geschickt", sagte er und nahm den Menschen in seine Arme. 

©Gerlinde Ullmann 2019 "Der beste Freund des Menschen"

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